Freitag, 19. Februar 2021

Anwältin für verletzte und kranke Vögel in Eisenbach

Eine Wacholderdrossel wird gefüttert.
Foto: Monika Keller

Seit mehr als fünf Jahren kümmert sich Monika Keller aus dem Obernburger Stadtteil Eisenbach um verletzte und kranke Vögel, päppelt sie wieder auf und lässt sie, wenn sie gesund sind, wieder in die Freiheit. Die Tiere werden zu ihr gebracht. Der Bekanntheitsgrad über ihre Singvogelauffangstation hat sich in einem Schneeballsystem verbreitet, über Tierärzte, Tierkliniken und Projekte, die sich um Vogelarten bemühen wie beispielsweise das Stadttaubenprojekt in Frankfurt oder die Mauerseglerklinik in Frankfurt  Mit beiden Institutionen steht die Eisenbacherin in engem Kontakt. Bis vor einem Jahr wurde die ehrenamtlich betriebene Auffangstation vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) finanziell unterstützt. Doch er hat mittlerweile seine Zuschüsse zurückgefahren. Es sei zu viel Aufwand für den Verein, die Kosten seien hoch. Monika Keller ist kein Mitglied im LBV, wurde aber vor Jahren angefragt, ob sie die Singvogelauffangstation betreiben würde. So berichtet die 65-jährige gelernte Heilpädagogin. Der Vorsitzende des LBV Aschaffenburg-Miltenberg, Richard Kalkbrenner, gab an, dass der Rückzug aus der bisherigen Förderung vielschichtig sei und nicht an den Kosten liege. Der Verein werde weiterhin einen festen Beitrag von ein paar hundert Euro jährlich zur Verfügung stellen. Er räumt ein, dass Monika Keller sehr gute Arbeit leistet und über großes Fachwissen verfügt. Ihr Einsatz gehe allerdings weit über das Maß des Notwendigen hinaus, schon gar für eine Einzelperson ohne fachkundige Helfer. 

Ein winziger Haussperling, ein Nestling, bedarf intensiver Pflege.
Foto: Monika Keller

Monika Keller hat viel Herzblut für ihre Auffangstation investiert. Ihre Arbeit ist aufwendig. Im Frühjahr und Sommer über 10 Stunden täglich. Übers Jahr hat sie rund 70 kranke oder verletzte Vögel zu betreuen, darunter auch einige Nestlinge, die eine intensive und kontinuierliche Fütterung benötigen. Für Futter, Tierarztkosten, Medikamente und Bedarf an Utensilien fallen mehrere 1.000 Euro jährlich an. Der Ehemann der Tierschützerin ist handwerklich geschickt. Er hat Volieren gebaut, in denen die Vögel sich letztlich an die Freiheit gewöhnen können und fliegen dürfen. In den Boxen, in denen sie aufgepäppelt werden, ist das nicht möglich.

Ständige Weiterbildung für fundiertes Wissen

Ihr Wissen hat sich Monika Keller durch Lesen von Fachartikeln und Büchern angeeignet. Sie holt sich auch Tipps von Fachleuten. Mit Nadja Koch, die eine Wildvogelstation ein paar Kilometer weiter in Wörth betreibt, steht sie in Kontakt und tauscht sich mit ihr aus. Die Eisenbacherin weiß sehr genau, welches Futter die Tiere benötigen und welche Medikamente bei einer Infektion gegeben werden. Laien, die einen verletzten oder kranken Vogel finden und ihn pflegen wollen, fehlt oft die Kenntnis. So kann es laut Monika Keller dazu kommen, dass ein Tier nicht durchkommt, weil es falsch gefüttert wird. »Es ist besser, wenn der Vogel entweder zu mir, zu einem Tierarzt oder zu einer anderen Auffangstation gebracht wird«, sagt die Tierschützerin.

Das Sterben der Singvögel

Ihr Augenmerk richtet sich auf den Natur- und Umweltschutz. Für sie ist es besonders schmerzhaft, dass es viele Vogelarten nicht mehr gibt. Sie zitiert Professor Martin Wikeleski, einen der führenden Ornithologen in Deutschland und Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz und Radolfzell: »Die Lage ist dramatisch«, sagt er. »Wir haben in Europa 420 Millionen Singvögel in den letzten 30 Jahren verloren.« In Amerika läge die Zahl sogar bei drei Milliarden. 

Monika Keller weiß, dass sie die Welt zwar nicht retten, aber zumindest einen Teil dazu beitragen kann, sie ein bisschen besser zu machen, indem sie verletzten und kranken Vögeln hilft. Sie freut sich, wenn andere Menschen, gerade auch Jugendliche oder Senioren, ihre Arbeit unterstützen wollen und bereit sind, in den Hauptzeiten mitzuhelfen. 

Monika Keller.
Foto: Ruth Weitz


Wenn Vögel sich wohlfühlen

Zurzeit hat sie einen jungen Sperling und eine stark verletzte Wiesengrasstelze, die ihr aus Gründau gebracht wurde, in Pflege. Sie berichtet: »Übrigens, die Wiesengrasstelze hat zum ersten Mal gebadet. Das machen Vögel nur, wenn sie sich wohl fühlen. Ich denke, dass sie gute Chancen hat.« Es ist zu spüren, wie sehr sich Monika Keller über die Fortschritte der gefiederten Freunde freut.


In dieser Box werden die Vögel zunächst
aufgepäppelt.
Foto: Ruth Weitz

Wer mehr über ihre Arbeit wissen möchte oder sie unterstützen will, kann sich mit ihr telefonisch unter der Mobilfunknummer 0175-7789775 in Verbindung setzen.              

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